Natürlich geben die Organisationen selbst schon einige Informationen und Heftchen raus, man kann Erfahrungsberichte lesen und massig Seiten im Internet haben ihren Senf dazu zu geben, aber ich habe eventuell noch ein paar Kleinigkeiten, die nicht überall genannt werden. Jetzt Obacht! Langer Text!
*Diese Tipps basieren alle auf meiner persönlichen Erfahrung und auf Geschichten von Au Pair Freundinnen. Ich möchte damit auf keinen Fall Vorurteile schüren oder meine Erfahrungen verallgemeinern!*
Vorbereitung
1. Oh those lovely little brats!
Wenn man beschließt als Au Pair ins Ausland zu gehen, sollte man echt mal sicherstellen, dass man Kinder mag. Kein Scherz.
Es werden von den Vermittlungsorganisationen je nach Zielland spezifische Voraussetzungen, wie eine bestimmte Anzahl an Kinderbetreuungs-Stunden gefordert. Und die hat man hoffentlich auch durch Babysitten bei Freunden, Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe etc. nachzuweisen, weil man mit den lieben Kleinen schon so sein Vergnügen hatte. Aber STOP! Die Kinder, auf die ihr euch da einlasst, sind nicht dieselben lieben Kleinen mit den netten Eltern, die ihr gelegentlich ein paar Stündchen betreut habt und euch dann wieder verkrümelt habt!
Das sind (nicht immer, aber leider doch häufig in den USA) ganz schrecklich verzogene Kids, die ihren Eltern und allen Nannys auf der Nase herumtanzen. Die sich fröhlich unzähliger Schimpfwörter und aller verfügbarer Süßigkeiten bedienen. Und schlimmer: Die wohnen im selben Haus wie ihr! Wenn ihr denen während der Betreuungszeit zu viel Zucker gegeben habt, sind die auch in eurer Freizeit noch aufgepeitscht und aufgedreht.
Aber tatsächlich ist die Kindererziehung in den USA häufig doch anders als hierzulande. Die Kids hatten unter Umständen jährlich wechselnde Au Pairs oder Nannys und dadurch eine andere Beziehung zu ihren Eltern, beziehungsweise eine ganz andere Prägung, als wenn sie von den Eltern großgezogen worden wären.
Eine besonders autoritäre Erziehung ist dort nicht so gern gesehen. Kinder werden viel gelobt und ihnen wird viel Freiraum gelassen. Ich selbst habe mir damit recht schwer getan. Als zum Beispiel der Große angefangen hat, mich zu schlagen, weil er nicht im Schlafanzug in die Schule durfte und die Mutter ganz locker zu mir sagte "Aber dann lass ihn doch im Schlafanzug gehen!"
2. Die richtigen Fragen stellen
Sobald man dann alle Unterlagen ausgefüllt und in der Datenbank der Organisation ist, geht es los. Verschiedene Familien schreiben euch an und tauschen Informationen aus. Sicher sind auch einige dabei, die mit euch skypen oder telefonieren wollen. Neben den typischen Fragen die ihr euch gegenseitig stellt, solltet ihr auch hypothetische Erziehungsfragen stellen.
Wie würden sie reagieren, wenn ihr dem Kind TV-Verbot oder Hausarrest geben würdet? Würden sie euch unterstützen?
Ich hatte kaum Möglichkeit, den Kindern Grenzen zu setzen. Die einzige "Strafe" für Fehlverhalten, die es gab war "Time-out". Der Große für 6 Minuten, der Kleine für 4 ins Zimmer. Leider konnte man die Türen nur von innen absperren und der jeweils andere hat in der Zwischenzeit Rambazamba gemacht, sodass diese Maßnahme für die Kinder nicht besonders beeindruckend war. Als ich einmal Süßigkeitenverbot erteilt hatte und alle Süßigkeiten versteckt und den Eltern dies mitgeteilt hatte, hatten diese nach meinem freien Tag schon wieder neue Süßigkeiten gekauft und den Kindern natürlich erlaubt.
Informiert euch (bei der Familie oder im Internet) über Freizeitangebote sowohl für die Kinder als auch für euch selbst in der Gegend!
Auch wichtig! Auch wenn ihr es von zu Hause nicht gewohnt seid: Häufig geben euch eure Gastfamilien Curfews. Das bedeutet, dass ihr zu einer bestimmten Zeit zu Hause sein müsst. Ich wurde nach 3 Monaten in den USA 21, habe vorher schon allein gewohnt und musste dort trotzdem um 23 Uhr zu Hause sein. Fragt nach, wenn ihr damit ein Problem habt!
Trotzdem sollte man meiner Meinung nach 21 sein, wenn man dort ist - abgesehen vom Feiern ist es auch sonst praktisch. man darf Clubs, Bars oder Kneipen in denen Alkohol ausgeschenkt wird unter 21 gar nicht erst betreten!
Ich empfehle auch, hier Familien auszuwählen, die bereits mindestens ein Au Pair vor euch hatten. Meine Familie hatte bis dato nur amerikanische Nannys und war gar nicht so recht auf mich eingestellt. Ich hatte nicht sonderlich viele Freiheiten, durfte kaum das Auto benutzen (außer für die Kids und zum Sport, aber auch nur ausgewählte Strecken - hatte sowieso kein Navi), musste mir selbst ein Handy zulegen, hatte keinen Fernseher (Luxusprobleme, ja.) und hätte ich mir nicht selbst vor dem Trip ein Netbook gekauft, auch keinen Zugang zu einem PC gehabt. Familien, die bereits Au Pairs hatten, haben häufig ein nett eingerichtetes Zimmer, ein Au Pair Handy, das ihr benutzen dürft, teilweise sogar ein Auto für euch und vor allem:
Sie sind sicherer im Umgang mit euch!
Meiner Familie fiel das wohl schwerer, der Vater hat kaum mit mir gesprochen und rückblickend war auch die Mutter oft komisch zu mir.
3. Die richtigen Sachen packen
Als ich damals meinen Koffer gepackt habe, stand ich wirklich vor einem Problem. Was nimmt man für 1 Jahr mit?!
Ich habe dann meine liebsten Klamotten, natürlich besonders die neuesten und hübschesten eingepackt, meine Kosmetika, Sportschuhe, Stiefel und High Heels zum Weggehen, wirklich unnötigen Kram.
Im Endeffekt wird es nämlich so sein: Klamotten und Kosmetik sind in den USA nicht nur günstiger, Kosmetik vor allem auch noch in viel viel größerer Auswahl (damals war ich noch kein solcher Beautyjunkie, aber wenn ich jetzt nochmal die Möglichkeit hätte... ich hab eine lange Wunschliste mit Produkten, die ich mir mal einfliegen lassen sollte!) zu kaufen.
Was ihr mit einem Haufen Kids wirklich brauchen werdet werden Jeans und Shorts sein, T-Shirts, ein paar Sweatshirts und Sweatjacken, flache Schuhe mit denen ihr gut auf Spielplätzen herumspringen könnt, 1 Paar High Heels und 1-2 schicke Kleider.
Den Rest werdet ihr dort sowieso kaufen, die haben da wirklich tolle Läden (Forever 21, Madewell, TJ Maxx, Marshall's, Old Navy etc.) und hinterher müsst ihr noch ganz viele schöne Sachen dort lassen oder Übergepäck zahlen!
Ich hab dann dank meiner dämlichen Packerei nur 1 Paar Jeans und 1 Sweatjacke dabei gehabt und musste mir dann dort Basicteile kaufen, die ich dann auch noch dort gelassen habe!!!
Die Gastfamilie wird euch vermutlich ein kleines Wilkommenspaket zusammenstellen, mit Shampoo, Duschgel, Rasierschaum, typisch amerikanischen Süßigkeiten und was sonst noch zur Grundausstattung gehört. Und ich sag es euch: Im Gegensatz zu den Produkten hier hatte ich das Gefühl, dass die Kosmetika da wirklich halten, was sie versprechen! Das Aussie Shampoo in Deutschland ist ein WITZ gegen das in den USA! Nehmt bloß nichts mit! Höchstens Reisegrößen.
Packt unbedingt Maggipäckchen ein, wenn ihr sowas mögt. Oder irgendetwas, das man mitnehmen und aufbewahren kann. Das amerikanische Essen wird euch doch irgendwann zum Hals raushängen. Ich habe es sooo vermisst, dass ich es mir habe schicken lassen!
Das Familienleben
1. Ansprüche stellen & den Mund aufmachen
Macht es bloß nicht wie ich und seid um des Friedens willen klein und demütig! Ich sage auch keinen Fall, dass ihr aufmüpfig, unverschämt und verschwenderisch sein sollt. Aber auch nicht so wie ich...
Ich habe nämlich meine Lebensmittel teils selbst gekauft (einige Lebensmittel sind teuer dort) oder mich nicht getraut, beim Einkaufen zu sagen, worauf ich Lust habe, weil es so teuer war. Im Prinzip habe ich dann dauernd Kartoffeln oder Nudeln gegessen. Yey.
Und als die Eltern mich ein ganzes Wochenende zu Gunsten ihres Hochzeitstages mit 2 kranken, sich übergebenden Kindern zu Hause gelassen haben (wobei hier schon die Arbeitszeit gegen die eigentlichen Vorschriften verstößt) und mir dann nicht mal irgendwas extra bezahlt, sondern mir nur einen Kaffee mitgebracht haben (wooooow), hätte ich vermutlich was sagen sollen.
Seid nicht unverschämt, aber wenn euch etwas wirklich stört, dann sagt das auch. Schließlich müsst ihr mit den Leuten einige Zeit unter einem Dach leben, und wenn sich ein Part dabei die ganze Zeit ausgenutzt fühlt, ist das nicht gut.
2. Nichts persönlich nehmen!
Auch etwas, das ich anders hätte machen sollen. Ich habe mir immer alles sehr zu Herzen genommen, wollte die Familie als ich ging eigentlich ungern im Stich lassen und habe auch versucht, danach freundlich Kontakt zu halten, weil die Eltern es vorgeschlagen hatten, habe aber nie Antwort bekommen. Aber die Amis sind da anders als wir.
Zum einen sind sie ganz schnell mit Komplimenten "Oh, I love your Shirt!" hört man nicht selten von Fremden im Supermarkt. Das heißt aber nicht, dass sie euer Shirt schön finden und euch gerne kennen lernen wollen. Das ist einfach nur so eine Floskel. Sowieso lieben die Amis ALLES! Ich weiß, dass viele Deutsche das mögen, ich persönlich habe lieber nur ernst gemeinte Komplimente und weiß dann auch, dass sie ernst gemeint sind. Aber das ist, wie ich feststellen musste, wirklich Geschmackssache.
Als also die Familie meinte, wir müssten unbedingt oft skypen, habe ich das versucht, aber sie wollten dann nie. War also auch nur ne Floskel. Hätte ich ja wissen müssen.
Aber auch andersrum musste ich feststellen, dass oft einfach Dinge gesagt werden, die vielleicht nicht böse gemeint sind, bei mir aber so ankamen. Als der Vater mir zum Beispiel sagte, der Kleine (4 Jahre alt), würde sicher nur deshalb dauernd in die Hose machen, weil ich jetzt da war und er mit der Umstellung nicht klar käme, habe ich mir wirklich eine Zeit lang Gedanken gemacht. Bis mir die Putzfrau erzählte, dass er das schon immer tat...
3. Freizeit
Ihr seid da vermutlich ein ganzes Jahr, also nehmt euch die Zeit und richtet es euch richtig gemütlich ein. Kauft Duftkerzen, ein hübsches Poster oder Bild, vielleicht einen hübschen Spiegel etc. und fragt die Familie, ob ihr das Anbringen dürft. Das und ein paar Fotos von Zu Hause helfen beim Wohlfühlen enorm!
Die Organisationen bieten normalerweise Clustertreffen an, dabei werden mindestens ein Mal im Monat Treffen aller Au Pairs in der Gegend organisiert. Nehmt das unbedingt in Anspruch! Wir hatten z.B. eine Halloweenparty, diverse Kaffeetreffs, einen Trip nach Philadelphia, haben Cookies gebacken und noch weitere Sachen gemacht. Dabei lernt man viele liebe Menschen aller Nationen kennen. Absolutes Highlight!
Mit den dort kennengelernten Leuten könnt ihr dann eure Abende und Wochenenden verbringen und eventuell den 13. Monat gemeinsam durchs Land reisen, wie viele es tun.
Sucht euch außerdem Freizeitbeschäftigungen wie Sportgruppen / Fitnessstudios. Neben schrecklich überteuerten Nobelschuppen (in denen irgendwie jeder zu sein schien) gibt es manchmal spezielle "Frauencenter". Mein Studio hieß "The Connection" und war ausschließlich für Frauen. Dort waren besonders ältere Frauen und es gab Tanzkurse und andere Sportgruppen, die eben mehr für ältere Damen ausgelegt waren. Das Studio war aber mit großem Abstand mit 40$ im Monat das günstigste weit und breit.
Auch eine Büchereikarte würde ich mir unbedingt besorgen. Dort kann man nicht nur Filme und Bücher für die Kids und sich selbst ausleihen, bei unserer Bücherei gab es Lern-PCs für Kinder und häufig Veranstaltungen. Wir waren beim Blumentopfbemalen, Muffins dekorieren, haben einen Mann mit einem Haufen Reptilien gesehen und noch ein paar andere Veranstaltungen kostenlos mitmachen können.
Sonstiges
1. Checkliste
Ihr werdet einige Sachen zu erledigen haben, eine Social Security Card und eventuell auch einen Führerschein besorgen, also bittet die Gasteltern in diesen Belangen unbedingt um Unterstützung!
Ihr werdet dort außerdem eine Kreditkarte bzw. Debitcard brauchen, also eröffnet ein Konto, auf das ihr euren wöchentlichen Lohn einzahlt. Bank of America ist am weitesten verbreitet.
Oft erhaltet ihr von der Organisation eine Checkliste, oder ihr guckt im Internet nach!
2. Rechtzeitig kümmern
Lasst euch Zeit, bei der Auswahl der Familie. Kümmert euch rechtzeitig um alles und lasst ein großzügiges Zeitfenster zwischen der "Bewerbung" und der geplanten Abreise. Es ist enorm wichtig, die richtige Familie in einer Gegend, in die man gerne möchte, auszuwählen. Bei vielen Organisationen kann man nur mit einer einzigen Familie Kontakt haben. Erst, wenn man dieser Familie absagt, bekommt man einen anderen Vorschlag. Ich hätte vermutlich die erste Familie nehmen sollen, aber ich wollte sehen, was kommt.
Mehr fällt mir im Moment nicht ein. Außerdem ist Abendbrotzeit und ich habe HUNGER! ;) Ich hoffe, einige meiner Tipps können euch helfen, wenn ihr vorhabt, als Au Pair in die USA zu gehen und ich hoffe außerdem, keinen mit meinen Erfahrungen beleidigt zu haben. Aber so war's. Ehrlich!

1 Kommentar:
Super informativ und ausführlich , haste toll geschrieben.
Alles Liebe
Sacht die Tante
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